Globalisierungsfonds: EU-Parlamentarier stimmen über Hilfe für Karmann-Mitarbeiter ab
Neben den positiven Effekten der Globalisierung für Europas Wirtschaft führen die mit ihr einhergehenden strukturellen Veränderungen hierzulande immer wieder auch zu Produktionsstilllegungen und Massenentlassungen. In solchen Fällen kann der Globalisierungsfonds der EU mit bis zu 500 Millionen im Jahr einspringen, um entlassenen Arbeitnehmern neue berufliche Perspektiven zu bieten. Am Dienstag entscheidet das Europaparlament in Straßburg u.a. über Hilfe für entlassenen Karmann-Mitarbeiter.
Eine schlechte Auftragslage und säumige Kunden führten im April 2009 zur Insolvenz einer Automobil-Legende. Die Osnabrücker Firma Karmann hat vor allem als Cabrio-Hersteller und Veredeler über einhundert Jahre Automobilgeschichte geschrieben.
Im August 2009 stellte die Bundesrepublik bei der EU einen Antrag auf finanzielle Unterstützung durch den Globalisierungsfonds. Die EU-Kommission befürwortete daraufhin, 6,19 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um 1.800 der knapp 2.500 entlassenen Karmann-Mitarbeiter zu unterstützen.
Derzeit arbeiten bei Karmann in Deutschland noch rund 900 Menschen – 400 Kündigungen wurden im März vom Insolvenzverwalter zurückgenommen.
Der Globalisierungsfonds
Der Ende 2006 geschaffene Globalisierungsfons der EU stellt jährlich bis zu 500 Millionen Euro für die Umschulung und berufliche Wiedereingliederung zur Verfügung, wenn es aufgrund der Verlagerung oder der Einstellung von Produktionsstandorten zu Massenentlassungen kommt.
Die Mittel müssen von staatlichen Stellen der Mitgliedsländer beantragt und zu rund einem Drittel gegenfinanziert werden.
Die Kommission prüft die Anträge und legt sie dem Ministerrat und dem Europaparlament zur Genehmigung vor.
Der Rat entscheidet voraussichtlich diesen Montag. Das Plenum des Europaparlaments stimmt am Dienstagmittag über den entsprechenden Bericht des CDU-Haushaltsexperten Reimer Böge ab.
Neben der Entscheidung über die Hilfe für die Karmann-Arbeiter geht es um 7,6 Millionen Euro für Entlassenen Arbeiter eines Kühlschrankhersteller und verschiedener Bau-Unternehmen in Litauen.
2009: Krisenjahr für die Automobilindustrie
Im vergangenen Jahr genehmigte das Europaparlament Globalisierungsfonds-Mittel in zehn Fällen und stellte rund 52 Millionen Euro zur Verfügung. Bereits 2009 gingen viele Anträge aus der von der Absatzkrise geschüttelten Automobilbranche ein, darunter aus der Steiermark, von Volvo in Schweden und aus Spanien.
Dell und Nokia
Aber auch die Verlagerung von Produktionsstandorten der Computer-Firma Dell aus Irland und des Handy-Herstellers Nokia waren Fälle für den Globalisierungsfonds. Mehr als 1.3000 entlassene Mitarbeiter des Bochumer Nokia-Werkes wurde mit rund 5,5 Millionen Euro geholfen, eine neue berufliche Perspektive zu entwickeln.
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