EU-Globalisierungsfonds: 6,2 Mio. Euro für entlassene Mitarbeiter des Automobilzulieferers Karmann
Der Haushaltsausschuss des Europäischen Parlaments hat am Dienstag knapp 6,2 Mio. Euro an Hilfe für 1793 ehemalige Mitarbeiter des Osnabrücker Automobilzulieferers Karmann aus dem EU-Globalisierungsfonds bewilligt.
Infolge der weltweiten Wirtschaftskrise und Veränderungen im Welthandelsgefüge verloren 2476 Beschäftigte der Karmann-Gruppe ihren Arbeitsplatz: Zwischen Dezember 2008 und März 2009 entließen die Wilhelm Karmann GmbH und die Karmann-Rheine GmbH & Co KG 1618 ihrer Mitarbeiter in Niedersachsen und 858 in Nordrhein-Westfalen.
Deutschland stellte daraufhin einen Antrag auf Hilfen aus dem "Europäischen Fonds für die Anpassung an die Globalisierung" (EGF), um 1793 dieser ehemaligen Mitarbeiter dabei zu unterstützen, eine neue Beschäftigung zu finden. Die deutschen Behörden schätzen die Gesamtkosten der Beschäftigungsmaßnahmen auf rund 9,5 Mio. Euro. Insgesamt 6.199.341 Euro soll die EU nach dem Willen des EP-Haushaltsausschusses beisteuern.
Umstrukturierung bei der Produktion von Nischenfahrzeugen
Deutschland weist in seinem Antrag auf Hilfe daraufhin, dass der EU-Marktanteil der Automobilindustrie (bezogen auf die produzierten Stückzahlen) von 32,1 % im Jahr 2000 auf 25,8 % im Jahr 2008 gesunken ist, während im gleichen Zeitraum der Marktanteil Brasiliens, Russlands, Indiens und Chinas von 8,9 % auf 21,2 % gestiegen ist.
In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise versuchen die großen Fahrzeughersteller, die Produktion von Modellen in kleiner Stückzahl wieder in ihre eigenen Produktionslinien zu integrieren, heißt es in dem Antrag Deutschlands. Zuvor wurden diese an Outsourcing-Auftragnehmer wie Karmann vergeben, die sich auf die Produktion sogenannter Nischenfahrzeuge in kleiner Stückzahl wie das A4-Cabriolet von Audi, das Crossfire-Modell von Chrysler und das SLK-Modell von Mercedes spezialisiert haben.
Finanzielle Unterstützung auch für Litauen
Der Haushaltsausschuss beschloss außerdem, rund 1,1 Mio. Euro für 806 ehemalige Arbeiter des Hochbaus und rund 258 000 Euro für 480 entlassene Beschäftigte eines Kühlschrankherstellers in Litauen bereitzustellen.
Sowohl das Europäische Parlament wie auch der Ministerrat müssen der Bereitstellung der Finanzmittel zustimmen. Die Abstimmung des Europäischen Parlaments ist für die Plenartagung vom 8. – 11. März 2010 geplant.
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