Wolken verdunkeln das Sonnental

Q-Cells setzt den angekündigten Abbau von 500 Stellen um - 300 Mitarbeiter werden nun entlassen

Montag, 23. November 2009

BITTERFELD-WOLFEN/MZ/MIFA. Ab 4 Uhr am Morgen ruhte am Montag bei Q-Cells in Thalheim die Produktion. Und so bildete dieser Tag auch eine ganz offensichtliche Zäsur in der lange auf Wachstum getrimmten, erst achtjährigen Produktionsgeschichte der Firma im Kreis Anhalt-Bitterfeld.

Personalgespräche am Abend

Lange haben sich die 2 300 Mitarbeiter des weltgrößten Solarzellenherstellers aus Sachsen-Anhalt vor diesem Montag gefürchtet, nun ist die Ungewissheit für sie vorüber: 308 Mitarbeiter erfuhren am Abend, dass sie ihren Job verlieren. Gleichzeitig wurde ihnen angeboten, sich von einer Transfergesellschaft anstellen zu lassen. Im Q-Cells-Werk, dem Herzen des "Solar Valley", dem Sonnental Mitteldeutschlands, herrschte gespenstische Stille. Für die Beschäftigten bestand der Tag vor allem aus Versammlungen, Warten und Gesprächen. "Das ist richtig so. Man kann nicht arbeiten und dabei ständig darauf lauern, dass man den Anruf bekommt", sagte ein Beschäftigter.
Mit den Kündigungen setzte das Unternehmen die im Sommer angekündigte Streichung von 500 Stellen um. Der Abbau ist aber mit weniger Kündigungen als zunächst befürchtet verbunden. Grund: "200 Mitarbeiter wechselten im Vorfeld zu Tochterfirmen oder haben einen Aufhebungsvertrag unterschrieben", erläuterte Unternehmenssprecher Frank Strümpfel. Laut Betriebsrat haben 76 Mitarbeiter innerhalb des Konzerns gewechselt.

Betriebsversammlung um 4.30 Uhr

Der Tag der Entscheidung begann für 200 Q-Cells-Mitarbeiter gegen Ende ihrer Nachtschicht: Um 4.30 Uhr beginnt in der Kantine des Thalheimer Werks die Betriebsversammlung mit Vorstand, Betriebsrat, Gewerkschaft und einem Vertreter des
Magdeburger Wirtschaftsministeriums, der den Übergang in die Auffanggesellschaft erläuterte. "Die Atmosphäre war sehr konzentriert", sagte Betriebsratschef Uwe Schmorl.

Silberstreif Personaltransfer GmbH heißt das Unternehmen, das die Solarmodulbauer übernimmt. "Die Kollegen werden dort weitergebildet und erhalten 80 Prozent ihres jetzigen Netto-Verdienstes. Die Laufzeit beträgt ein Jahr", verbuchte Schmorl die Auffanggesellschaft und die Konditionen als Erfolg. Immerhin müsse so niemand in die Arbeitslosigkeit gehen, so sein Betriebsratskollege Andreas Kind. "Heute ist ein grauer, trauriger, schwerer Tag. Wir brauchen wieder blauen Himmel", fügte er hinzu. Q-Cells hat vor allem mit dem Preisverfall für Solarmodule und der asiatischen Konkurrenz zu kämpfen.

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